Der September im Elsass hat einen ganz besonderen Zauber. Die Reben hängen schwer mit reifen Trauben, die Morgen sind kühl und nebelverhangen über den Vogesen, und die Dörfer entlang der Route des Vins d'Alsace bereiten sich auf die Weinlese vor. Für Wohnmobilreisende ist diese Strecke eine der lohnendsten Europas – vorausgesetzt, man plant sorgfältig, denn die Straßen sind eng, die Dörfer mittelalterlich, und das eigene Fahrzeug fast immer breiter, als die Gassen es vorsehen.
Die Route des Vins d'Alsace erstreckt sich über rund 170 Kilometer von Marlenheim im Norden bis Thann im Süden und führt durch mehr als 70 Weindörfer. Die gesamte Strecke am Stück mit dem Wohnmobil zu fahren, ist keine gute Idee – besser man teilt die Route in Etappen von 3-4 Tagen und wählt die Dörfer aus, die am meisten reizen. Klassiker sind Riquewihr, Ribeauvillé, Eguisheim und Kaysersberg, alle mit Fachwerkhäusern, blumengeschmückten Gassen und Weinkellern dicht an dicht. Das Problem: Diese Ortskerne sind meist für Wohnmobile gesperrt oder haben unmöglich enge Straßen – das Fahrzeug also am ausgewiesenen Parkplatz außerhalb der Stadtmauern abstellen und zu Fuß weiter. In Riquewihr gibt es einen großen Parkplatz am Parking du Schlossberg, der auch größere Fahrzeuge aufnimmt, nur wenige Gehminuten von der Hauptstraße entfernt.
Übernachtungen auf Weingut-Stellplätzen (sogenannte "aires viticoles" oder die informelleren Plätze des France-Passion-Netzwerks) sind eine der schönsten Arten, das Elsass auf Rädern zu erleben. Viele kleinere Winzer, besonders rund um Ammerschwihr, Bergheim und Turckheim, nehmen Wohnmobile über Nacht auf, im Austausch gegen den Kauf einer Flasche oder einfach als Geste der Gastfreundschaft. Es lohnt sich, sich vor der Reise bei France Passion anzumelden – das öffnet den Zugang zu hunderten Höfen in ganz Frankreich, viele davon genau hier im Elsass, völlig kostenlos, allerdings ohne Strom oder Wasser. Ein schönes Beispiel ist ein kleiner Winzer knapp außerhalb von Hunawihr, wo man mit Blick auf die Reben und die befestigte Église fortifiée de Hunawihr stehen kann, während man eine Flasche Riesling oder Gewürztraminer direkt beim Erzeuger kauft.
Wer es organisierter mag, findet offizielle Aires de camping-car unter anderem in Colmar, Kaysersberg und Obernai, mit Strom, Wasser und Entsorgungsmöglichkeiten. Der Stellplatz in Colmar bei Camping de l'Ill liegt in Gehweite zu Petite Venise, dem malerischen Kanalviertel, was die Stadt zu einem idealen Standort für mehrere Tage macht. Von hier aus lassen sich problemlos Tagesausflüge in nahe Dörfer unternehmen, ohne das Wohnmobil jeden Tag umzuparken – ein Tipp, der Sprit und Nerven auf den engen Straßen spart.
Apropos Straßen: eine Warnung ist angebracht. Viele der Wege, die sich durch die Weinberge hinauf zu Aussichtspunkten wie den Grand-Cru-Lagen Schoenenbourg oder Sporen schlängeln, wurden für Traktoren und Pkw gebaut, nicht für neun Meter lange Wohnmobile. Meiden Sie GPS-Abkürzungen mitten durch Ortskerne – Google Maps und viele Wohnmobil-Navis kennen die Breiten- und Höhenbeschränkungen dieser Nebenstraßen nicht immer. Besser ist es, sich zwischen den Dörfern an die D-Straßen (Departementsstraßen) zu halten und außerhalb zu parken, um zu Fuß oder mit dem Fahrrad weiterzuziehen – viele Reisende nehmen genau dafür ein Fahrrad mit.
Der September bedeutet auch Erntezeit, weshalb viele Weingüter offene Verkostungen anbieten und Besucher sogar für einige Stunden bei der Handlese mitmachen lassen, besonders bei kleineren Familienbetrieben rund um Andlau und Barr. Am besten vorher per E-Mail oder Telefon anmelden – Winzer sind während der Vendange stark eingespannt und freuen sich nicht immer über spontane Besuche. Und immer fragen, ob eine Übernachtung in Ordnung ist, auch wenn genug Platz vorhanden scheint.
Kulinarisch ist der Spätsommer ideal, um Weinverkostungen mit regionalen Gerichten zu verbinden. Winstuben in Kaysersberg und Ribeauvillé servieren Flammkuchen und Baeckeoffe, während die Märkte in Colmar und Sélestat die ersten neuen Kartoffeln, Mirabellen und frischen Walnüsse der Saison bereithalten. Viele Stellplätze liegen zudem nahe an Wanderwegen, die zu römischen Ruinen oder alten Burgen wie Haut-Koenigsbourg hinaufführen, sodass sich die Tage leicht zwischen Verkostungen und Aussicht abwechseln lassen.
Für eine solche Reise lohnt es sich, vorab einen groben Plan zu skizzieren – welche Dörfer, welche Stellplätze, welche Tage etwas mehr Zeit verdienen. Mit RoadTide lassen sich Sehenswürdigkeiten, Stellplätze und Weinregionen bequem in einer einzigen Route kombinieren, sodass man nicht zu viel improvisieren muss, sobald die Straßen enger und die Dörfer im Septemberlicht voller Touristen werden. Mit etwas Vorausplanung wird das Elsass im September zu einer der entspanntesten Weinrouten, die man mit dem Wohnmobil fahren kann – man muss nur daran denken, das Fahrzeug außerhalb der alten Stadtmauern zu lassen und den Rest zu Fuß zurückzulegen, ein Glas Riesling in der Hand.